Projekt Gemeinsam erleben - CSG Ingolstadt und bbs Nürnberg besuchen die Landesausstellung 2017

Die Klasse 8b des Christoph-Scheiner-Gymnasiums Ingolstadt wird im Rahmen dieses Projektes gemeinsam mit Schülern des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte Nürnberg (bbs) die Bayerische Landesausstellung 2017 in Coburg besuchen.

Dabei sollen die „sehenden“ Ingolstädter Schüler die blinden bzw. sehbehinderten Kameraden aus Nürnberg durch die Ausstellung führen und ihnen die Exponate auf vielfältige Weise näherbringen. Sie erkennen, dass es gar nicht so einfach ist, Gegenstände so zu beschreiben, dass Menschen, die diese nicht oder nur eingeschränkt sehen können, sich etwas darunter vorstellen können. Die Schüler bewegen sich in Kleingruppen durch die (barrierefreie) Ausstellung, tragen füreinander Verantwortung und schulen auf diese Weise Sensibilität und Empathievermögen. Sie verlieren Berührungsängste und bauen Vorurteile ab, so dass das „gemeinsame Erleben“ der Landesausstellung  zu einem natürlicheren und selbstverständlicheren Umgang mit Behinderungen beiträgt – ganz im Sinne des Gedankens der Inklusion.

Zur Vorbereitung dieses Besuchs treffen sich die Schülergruppen beider Einrichtungen am 16. Februar in Nürnberg, um sich kennenzulernen und gemeinsam einen Tag zu verbringen. Mit Hilfe eines besonderen erlebnispädagogischen Programms versetzen sich unsere Schüler in die Lage eines Blinden oder stark Sehbehinderten. Diese Erfahrungen nutzen sie für die Vorbereitung der Exkursion nach Coburg, die voraussichtlich Mitte Juli 2017 stattfinden wird.

Weiterhin ist geplant, mit den Schülern ein sogenanntes Dunkelcafé zu besuchen. Dort werden in völliger Dunkelheit Getränke und Speisen von Blinden serviert. Die Besucher müssen auch im Dunkeln bezahlen, obwohl sie die eigene Hand vor Augen nicht sehen können. Durch den Perspektivenwechsel sollen die Schüler erfahren, was es heißt, blind zu sein und somit ihr Einfühlungsvermögen stärken.

Das Projekt bietet sehenden wie blinden/sehbehinderten Schülern sicherlich eine wichtige Erfahrung und möglicherweise entstehen ja auch freundschaftliche Kontakte. Auf jeden Fall wird ein selbstverständlicher Umgang miteinander befördert, was in einer inklusiven Gesellschaft von hohem Wert ist. 

Ein Erfahrungsbericht der Klasse 08B

Am Donnerstag, den 16.02.2017, besuchten wir, die Klasse 8b des Christoph-Scheiner-Gymnasiums Ingolstadt, das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (bbs) Nürnberg. Nach der Anreise mit Zug, U-Bahn und Bus erreichten wir das bbs, das wir bei einem Rundgang näher kennenlernten. Dabei konnten wir auch einen Blick in die Klassenzimmer werfen, die für 8-12 Schüler ausgelegt und mit besonderen Bildschirmen für Sehbehinderte ausgestattet waren. Nach dem Kennenlernen von 15 Schülerinnen und Schülern der Einrichtung und einem gemeinsamen Mittagessen in der Schulmensa waren wir dann an der Reihe auszuprobieren, wie es sich anfühlt, blind oder sehbehindert zu sein und wie es ist, wenn man sich nicht auf seine Augen verlassen kann. Dabei hatten wir vier Stationen zu absolvieren:

Bei der ersten Station, dem „Blindenweg“, bekamen wir Augenbinden aufgesetzt und mussten mit Hilfe der anderen Schüler den Weg zum Lehrerzimmer der Schule finden. Dort setzten wir uns an einen Tisch und mussten mit verbundenen Augen ein Glas Wasser einschenken. Die Aufgabe war zwar einerseits schwer, da wir uns voll und ganz auf die blinden Schüler, die uns durch die Gänge lotsten, verlassen mussten und auch die Situation mit den Augenbinden sehr ungewohnt war. Andererseits war es auch sehr interessant und es hat wirklich Spaß gemacht. An der Station „Blindenschrift“ mussten wir mit Hilfe eines Blattes, auf dem das Alphabet in Blindenschrift aufgedruckt war, ein paar Sätze übersetzen, die ein Lehrer zusammengestellt hat. Die Buchstaben bestehen aus ein bis sechs Punkten, die nach oben gestanzt werden. Ein A ist z.B. nur ein Punkt, ein B besteht aus zwei Punkten. Auch Punkte und Kommas können abgebildet werden. Da blinde Menschen einen besseren Tast- und Hörsinn haben, können sie die einzelnen Buchstaben erfühlen und somit ganze Texte lesen. Diese Station hat uns viel Spaß bereitet, obwohl uns als Sehende das Lesen der Blindenschrift gar nicht so leichtfiel.  Bei der dritten Station, dem „Barfußweg“, musste man die verschiedenen Untergründe, über die man barfuß marschierte, erfühlen. Der Weg bestand aus verschiedenen Abschnitten wie z.B. Kieselsteinen, Sand, Laub, Fliesenboden, Asphalt etc. Um Blindheit zu simulieren, bekamen wir eine Schlafmaske aufgesetzt und wurden von einem der Nürnberger Schüler durch den Barfußweg geführt. Die meisten Untergründe konnten leicht erkannt werden, aber bei manchen wie z.B. Erde war es schon schwieriger. Eine Herausforderung für mich war es auch, sich auf denjenigen zu verlassen, der einen durch den Parcours führt – damit man nicht vom Weg abkommt oder stolpert. Für mich war es eine tolle Erfahrung, da ich es mir vorher nicht wirklich gut vorstellen konnte, wie es sich anfühlt, nichts oder nur ganz wenig zu sehen. Deshalb finde ich es toll, dass unsere Klasse diese Erfahrung machen durfte und wir so auch neue Freunde kennengelernt haben. Bei der vierten Station, „Lesen mit Handicap“, ging es darum, mit extra präparierten Brillen einen Text vorzulesen. Mit einigen Brillen konnte man noch ganz gut lesen, mit anderen hingegen konnte man nur noch fett gedruckte Wörter oder gar nichts mehr erkennen. Mit einer der Brillen musste man den Text so nah vor die Augen halten, dass man ihn mit der Nasenspitze berühren konnte, um überhaupt etwas lesen zu können.

Viel zu früh mussten wir uns wieder auf den Heimweg machen und uns von den neu gewonnenen Freunden trennen. Immerhin sehen wir sie wieder, wenn wir in Coburg gemeinsam durch die Landesausstellung gehen.  

Der ganzen Klasse 8b machte der Ausflug zum bbs in Nürnberg sehr viel Spaß. Nun wissen wir, wie es sich anfühlt, blind oder sehbehindert zu sein und dass sie auch ganz normale Menschen sind. Nach diesem Tag können wir uns sehr viel besser in die Lage von blinden oder sehbehinderten Menschen hineinversetzen. Wir möchten uns bei Herrn Hötschl für die Organisation und beim Freundeskreis des CSG für die großzügige finanzielle Unterstützung bedanken und freuen uns schon auf den zweiten Teil des Projekts, die Exkursion nach Coburg.

 

Marina Dollinger, Larissa Heinemann, Ben Hallmen, Ronald Pustiowsky, Lea-Letizia Schoen (für die Klasse 8b des CSG)