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DONAUKURIER vom 18.07.2007

Das Klassenzimmer befand sich im „Juche”

Treffen des Abiturjahrgangs 1947 des Christoph-Scheiner-Gymnasiums bei Elmar Spranger

Ingolstadt (peh) Das Christoph-Scheiner-Gymnasium hat im Laufe seiner über 100-jährigen Geschichte ja schon viele, später weithin bekannte Absolventen entlassen. Eine Reihe von Professoren ist darunter, aber auch ein ehemaliger Intendant der Bayerischen Staatsoper oder der amtierende Präsident der Fachhochschule Ingolstadt, um nur einige zu nennen.

Aus einem ganz besonderen Holz ist aber der Abiturjahrgang 1947 geschnitzt. Gestern, auf den Tag genau 60 Jahre nach der Überreichung der Abschlusszeugnisse, trafen sich einige Abiturienten dieses Jahrgangs im Haus von Elmar Spranger. „Wir sind alle was geworden”, freut sich der Gastgeber, der es als langjähriger Stadtrat, Ehrenkreisvorsitzender der CSU und Träger der Goldenen Bürgermedaille ja auch zu etwas gebracht hat. Seine Klassenkameraden wurden Architekten, Hochschulprofessoren und sogar Bundesrichter - der Abiturjahrgang 1947 muss wirklich ein ganz besonderer gewesen sein.

Dabei waren die Voraussetzungen nicht gerade die besten. „Wir waren alle im Krieg, einige wurden verwundet”, erzählen die älteren Herren, die alle schon um die 80 sind. Als junge Burschen wurden sie zum Arbeitsdienst eingezogen und dienten als Flakhelfer oder an der Front.

Einen von ihnen ereilte ein ganz besonderes Schicksal. Günter Stoldt wurde mit 14 als Flakhelfer rekrutiert. Später kam der gebürtige Pommer zur Kriegsmarine. „Bis nach Narvik und Hammerfest sind wir gefahren”, erinnert sich Stoldt, der für das Treffen eigens aus Frankfurt angereist war. Am Ende des Krieges stand sein Verband einer erdrückenden Übermacht gegenüber. „Von sechs Schiffen ist am Schluss nur eines übriggeblieben”, und

auf dem war ich”, erzählt er weiter. Als es ihn nach der Kriegsgefangenschaft nach Ingolstadt verschlug, stieß er zufällig auf eine Familie mit dem Namen Stoldt - es war seine eigene Verwandtschaft, die von Pommern nach Ingolstadt geflohen war.

Auch die Schulzeit am Scheiner fand unter verschärften Bedingungen statt. „Wir besuchten einen Sonderkurs”, erinnert sich der Abiturjahrgang 1947. Das hieß, dass der Unterrichtsstoff von mehreren Klassen in eineinhalb Jahren absolviert werden musste. „Und Ferien gab es für uns nicht”, wissen Spranger und seine Kollegen noch heute. Doch hatten die Abiturienten von 1947 auch ihre Privilegien. „Wir waren vermutlich die einzigen, die rauchen durften”, erinnert sich einer der Gäste Sprangers. Das Klassenzimmer für den Sonderkurs befand sich im „Juche”, wie man in Bayern den Dachboden nennt.

Das Abitur war streng, beschränkte sich allerdings auf die Hauptfächer - Nebenfächer wurden einfach weggelassen. „Und alle haben bestanden, das haben wir ausgemacht”, erzählt Spranger weiter. Seitdem treffen sie sich alle fünf Jahre, früher sogar noch etwas häufiger. Bei den Abiturtreffen wird natürlich viel erzählt, von der Vergangenheit genauso wie von der Gegenwart. Und für das leibliche Wohl sorgte gestern natürlich der Gastgeber.

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