Feuerwerk der Musikstile

Schulkonzert des Scheiner-Gymnasiums

Von Sebastian Ullrich

Ingolstadt (DK) Ein geöffneter Saxofonkoffer zierte das Programm des Schulkonzerts des Christoph-Scheiner-Gymnasiums. Eine einladende Geste und eine stilistische Andeutung: Jazz. Wer den glücklichen Entschluss gefasst hatte, die Einladung am vergangenen Montagabend in den Festsaal des Theaters Ingolstadt anzunehmen, sollte zwar kein reines Jazz-Programm erleben. Aber das für den Jazz Wichtigste und in jeder guten musikalischen Darbietung Unentbehrliche: Swing, Bewegung, Lebendigkeit. Dazu Überraschendes, Verblüffendes, sogar Großartiges.

Das Schulorchester spielte beherzt und schwungvoll in Begleitung der sattelfesten und deshalb eine erfrischende Lässigkeit ausstrahlenden Jennifer Guo am Klavier, die in einer Vielzahl von Besetzungen immer wieder auf die Bühne kam. Die Gitarrengruppe setzte dem mit ausgezeichnetem Timing teils exotische Klänge, teils Klänge der Alten Musik entgegen. Voll der energischen Wucht des argentinischen Tangos spielte das Tango-Trio – dabei die leidenschaftliche Geigerin Christiane Amerell – einen Piazolla, der unmittelbar in die Beine fuhr. Die Percussiongruppe blieb samba-groovig in Lateinamerkia, zuvor sang und swingte der Chor der Mittel- und Oberstufe Jazzstandards, danach französische Chorlieder.

Dazwischen fantastische Über?raschungsgäste. Seit 20 Jahren besteht eine Schulpartnerschaft zwischen dem CSG und dem Institut Fénélon in Grasse/Frankreich. Aus Anlass der Feierlichkeiten waren heuer beim Schulkonzert vier französische Schüler im Festsaal dabei – wahre Künstler. Urtizberea Pantxoa ist zwar erst 15 Jahre, aber er ist ein atemberaubender Virtuose auf der Querflöte. Er spielte Sätze von Ferrand mit einem extremen Ausdrucksreichtum, nuanciert und technisch mit an Perfektion grenzender Souveränität. Die zwei Tänzerinnen Anais Establé und Charlotte Petillon führten einen neoklassischen Solotanz bzw. einen Jazztanz auf und eine eigene Choreografie. Welch eine Beweglichkeit und Sicherheit, welch eine Geschmeidigkeit und Eleganz, welch eine Körperbeherrschung! Auch und gerade in ihrer Choreografie zeigen sie ihren Einfallsreichtum. Auf gleichem Niveau bewegte sich der Cellist Simon Caucheffer, der mit perfekter Intonation und einer gehaltvollen Interpretation von drei Sätzen aus Bachs erster Cellosuite einfach nur verblüffte. Eine glückliche Freundschaft zwischen diesen Schulen.

In verschiedenen Bandformationen von Dixie über Rock bis hin zur Bigband swingte und groovte eine große Zahl von ausgezeichneten Musikern und Musikerinnen. Eine super Performance brachte die Frontleute der Rockband auf die Bühne, Steffi Busch und Moritz Drefs. Drefs ist ein guter Showmaster, der die Massen zum Kochen bringt und mit seiner rauen Rockröhre den Saal anheizt. Endlich wird es auch in einem Schulkonzert einmal gescheit laut.

Ein regelrechtes Gesamtkunstwerk präsentierte die Tanzgruppe Formotion mit der Projektgruppe Kunst und Spanisch. Das war gleichzeitig eine Einführung in Biografie und Werk der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, eine Rezitation spanischsprachiger Gedichte und eine erstrangige Choreografie aus Hochradfahren, Jonglieren, Maskerade, Formationstanz bis hin zum Ausdruckstanz der beeindruckenden Tina Ohrner und Steffi Pritschet. Großartig war die Darstellung der Llorona – des "Klageweibs" – und die Behandlung des Themas Tod. Echter Jazz ist, was die Seele tanzen lässt.