Flaggen der Freundschaft

Festkonzert eröffnet heute Jubiläumsjahr des Christoph-Scheiner-Gymnasiums

Ingolstadt (DK) Das Christoph-Scheiner-Gymnasium feiert heuer mit opulentem Programm das 150-jährige Bestehen. Der Festreigen beginnt heute Abend mit dem Schulkonzert.

Eine der bekanntesten Straßen der Stadt trägt seinen Namen. Und das völlig zu Recht, wie geschichtsbewusste Freunde des Christoph-Scheiner-Gymnasiums finden, denn Bürgermeister Matthias Doll darf als Gründer der Schule gelten. 1855 stellte er den Antrag für eine "realistische Bildungsanstalt", die vor 150 Jahren als "niedere Gewerbeschule" startete, später zur Realschule, zur Oberrealschule und 1965 zum Gymnasium erhoben wurde.

Das Schulkonzert, Beginn heute um 19.30 Uhr im Festsaal, eröffnet den Jubiläumsreigen, der erst im Oktober endet. Höhepunkt des Konzerts ist das Stück "Kaiser Christoph", das der bekannte Jazzer Christian Elsässer eigens für die Schule komponiert hat.

Bis Freitag dauern die Tage der Integration und der internationalen Begegnungen mit Gästen aus allen Partnerschulen. Heute um 11 Uhr werden die Delegationen auf dem Rathausplatz von der Stadt Ingolstadt empfangen. Das Motto des Treffens lautet: "Flaggen der Freundschaft". Am Donnerstag beginnt um 18.30 Uhr in der Scheiner-Pausenhalle ein Festabend zur Feier von 20 Jahren Schüleraustausch zwischen Ingolstadt und Moskau.

Es darf als programmatisch gelten, dass die Woche der Völkerverständigung am Anfang der Scheiner-Festspiele steht, denn die starke internationale Ausrichtung und die interkulturelle Erziehung zählen zu den Charakteristika des Gymnasiums. Die Vorliebe für Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ist dabei nicht zu übersehen. Das Scheiner pflegt Partnerschaften mit Schulen in Grasse und Nizza (Frankreich), Preesall (England), Milwaukee (USA) und – besonders innig – mit den Schulen Nummer 13 und 1513 in Moskau. Den Kontakt hatte 1988 der Staatspräsident der UdSSR, Michail Gorbatschow, eingefädelt. Damals, gegen Ende des Kalten Krieges, eine hochsymbolische vertrauensbildende Maßnahme.

Das Denken in freundschaftlich-nationalen Kategorien ist Prinzip: "Wir verstehen uns als Repräsentanten der Bundesrepublik", erklärt Schulleiter Peter Bergmann. Die versöhnliche Ausrichtung auf die einstigen Siegermächte diene dem Ziel, "Hass und Verbitterung" ein für alle Mal zu überwinden. "Damit setzen wir das Werk meines Vorgängers Rainer Rupp fort", sagte Bergmann.

Neue Akzente will das Scheiner insbesondere beim Festakt am 23. Juli setzen. "Da werden wir den traditionellen Gang des Festkommerses durchbrechen", verspricht Andy Krainhöfner, Lehrer am Scheiner und Koordinator der Jubiläumsveranstaltungen. Das geht so: Anstelle von Reden, "in denen immer alle das Selbe sagen", wollen die Schüler sich und das Profil ihres Gymnasiums mit extravaganten Beiträgen präsentieren.

Originell ist auch die Idee zu dem Veteranentreffen im Juli: Eingeladen sind alle, die am Scheiner Abitur gemacht haben. Von den noch lebenden Absolventen, die nach intensiver Recherche aufgespürt werden konnten, hätten schon ein paar hundert zugesagt, berichtete Krainhöfner. Die Ermittlungen gehen weiter.

Von Christian Silvester