Gelungener Übertritt (II)

Der neue Scheiner-Chef Gerhard Maier setzt auf Wertevermittlung

Ingolstadt (sic) Er war keine drei Monate im Amt, da erlebte Gerhard Maier ein Beispiel für das starke Zusammengehörigkeitsgefühl im Christoph-Scheiner-Gymnasium: die große, gut organisierte Typisierungsaktion für die an Krebs erkrankte Lehrerin Katja Löser. „Das hat mich ungemein beeindruckt!“, erzählt der neue Leiter der Schule. Aber komplett überrascht hat es ihn dann auch wieder nicht, weil er bis dato ohnehin einen sehr guten Eindruck von der Traditionsschule gewonnen hatte. „Ich bin sehr offen empfangen worden“, berichtet Maier. „Und ich merke täglich, dass die Schulgemeinschaft funktioniert.“

Der 48-Jährige lebt in seiner Heimatstadt Pfaffenhofen, seine Frau ist dort Lehrerin am Schyren-Gymnasium. Das Paar hat drei Kinder. „Unser Ältester hat noch im G9 Abitur gemacht.“ Für das Kultusministerium hat Maier auch schon gearbeitet. Zudem ist er zweiter Vorsitzender der Direktorenvereinigung Oberbayern-West. Das erlaubt seine Feststellung: „Ja, ich kenne das Gymnasium wirklich aus recht vielen Perspektiven.“

Im Scheiner startet Maier mit einigen neuen Ideen, die er behutsam realisieren möchte. Als Erstes: Die Schüler zu mehr eigenverantwortlichem Arbeiten erziehen. Das ziele auf all jene, „die sich mit der Haltung reinhocken: ,So Lehrer, jetzt unterhalte mich mal!’ — und dann völlig passiv bleiben“.

Maiers zweites Anliegen: Persönlichkeitsbildung. „Ich denke da an Angebote, die Werte stärken, also Toleranz, Respekt, Zuhören und Ähnliches.“ Dazu gehören auch Programme zur Gewalt- und Suchtprävention. Ein drittes Ziel hat das Scheiner bereits in Angriff genommen: Aufklärung über Psychoterror im Internet und Möglichkeiten der Gegenwehr. „Cybermobbing ist ein Problem, das oft abläuft, ohne dass wir es wahrnehmen.“

Nicht zuletzt versichert Maier: Das G8 sei kein fest gefügtes Gebilde. „Da ist einiges verbesserungsbedürftig. Das wird derzeit ermittelt.“ Er weiß, dass das Reizthema noch nicht vom Tisch ist und die Emotionen jederzeit hochkochen können. „Doch wir sollten den Rahmen akzeptieren, in dem wir heute arbeiten. Ich bin nicht für Lamento.“