Gesucht – der ideale Bewerber

Ingolstädter Gymnasiasten erfragen in einem Pilotprojekt, welche Anforderungen Arbeitgeber stellen

Ingolstadt. Welche Qualifikationen brauche ich für meinen Traumjob? Achten Unternehmen nur auf die Noten? Und was muss ich beim Vorstellungsgespräch beachten? Fragen, die nicht nur Studenten quälen, sondern auch Schüler. Zehn Schüler des Ingolstädter Christoph- Scheiner-Gymnasiums haben versucht, darauf Antworten zu finden, indem sie Führungskräfte gefragt haben. Oder besser gesagt interviewt. „Zukunft(s)bewegt“ heißt das Pilotprojekt, das Abiturienten eine bessere Orientierung für ihre Studien- und Berufsplanung ermöglichen soll.

„Schüler, die aktiv sind, die werten können, sind bestens auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet“, erklärte Dr. Karin Oechslein, Ministerialbeauftragte Oberbayern- West, bei der Ergebnispräsentation an der Audi Akademie. Dr. Christoph Prechtl von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft verwies auf die noch immer hohe Zahl der Studienabbrecher: „Eine demotivierte Jugend dürfen wir uns nicht leisten.“ Statt einer Elite benötige die Wirtschaft eine breite Masse gut qualifizierter junger Menschen, die über Werte, soziale Kompetenzen und Eigeninitiative verfügt.

„Die Wirtschaft braucht junge Leute mit notwendigen Qualifikationen“, sagte Dr. Peter Bergmann, Schulleiter des Christoph-Scheiner- Gymnasiums. Dabei habe die Schule die Verpflichtung, junge Menschen auf die Bedingungen der globalisierten Welt vorzubereiten. Dieses Projekt sei ein Schritt in die richtige Richtung, weil Schüler konkrete Anforderungen für Studium und Beruf kennen lernen könnten. Der Titel „Zukunft( s)bewegt“ weise auf einen Lern- und Entwicklungsprozess hin. Andererseits stelle sich die Frage, „wovon wir in Zukunft bewegt werden“.

Initiiert wurde das Projekt vor gut einem Jahr von Alois Kauer, dem Leiter der Abteilung Mitarbeiterqualifizierung bei der Audi Akademie. Er stellte den Kontakt zum Scheiner- Gymnasium her, wo je zehn Lehrer und Schüler Interview-Tandems bildeten. Die Audi Akademie stand betreuend zur Seite und schulte die Projektteilnehmer in Workshops. Den Fragebogen entwickelten die Schüler allerdings eigenständig – die Grundlage für die Interviews mit Repräsentanten aus Industrie, Dienstleistung, Handel und Handwerk sowie von Verbänden aus dem Raum Ingolstadt. Auch Vertreter der KU Eichstätt und der Fachhochschule Ingolstadt waren unter den 38 Interviewten.

Bei den Interviews brachten die Schüler ihre Gegenüber auch ins Schwitzen, wie sich Prof. Oliver Hackl (Media Markt und Saturn Systemzentrale und zugleich Dozent an der FH Ingolstadt) erinnert. „Welches Tier ordnen Sie Ihrem Gegenüber zu?“ oder „Wie sieht die Schultasche in zehn Jahren aus?“ – Fragen, auf die auch Manager und Geschäftsführer im ersten Moment keine Antwort parat haben.

Aber: Welche Anforderungen stellen denn Unternehmen nun an die Bewerber? „Die Noten sind wichtig, aber auch die Persönlichkeit, das Auftreten. Soft Skills gewinnen immer mehr Bedeutung“, sagte Stefanie Weiß. „Und Benimmregeln, da stehen Unternehmen voll drauf“, erklärte Hanna Lang. Der Bewerber müsse selbstbewusst, aber auch teamfähig sein. Viel Wert werde außerdem auf PC-Kenntnisse und Sprachen gelegt. „Englisch ist schon Standard. Aber auch Spanisch und Chinesisch werden wichtiger“, meinte Theresa Wiebler.

Theresa und ihre Freundinnen gehören zu den zehn Schülern, die von ihren Lehrer für „Zukunft(s)bewegt“ ausgewählt wurden. Dass sie an dem Projekt teilnehmen, stand für die drei außer Frage – obwohl sie dafür einen Teil ihrer Freizeit opfern mussten. „Das ist für mich schon eine Ehre, wenn mein Lehrer mich aus der breiten Masse auswählt“, sagte Stefanie, die nach dem Abitur ein Management-Studium beginnen möchte.

Aus den Interviews haben die Mädchen einiges gelernt: Sie wollen nach dem Abitur verstärkt Praktika absolvieren und in den kommenden Jahren auf jeden Fall ins Ausland gehen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.