Mit der Stoppuhr zum Beckenrand

Wie lange braucht man im Bus vom Scheiner zum Wonnemar? Schüler und Eltern machen den Test

Von Christian Silvester

Ingolstadt (DK) Ein neues Hallenbad neben dem Wonnemar wäre aus Sicht der Schulen wohl die schlechteste Lösung. Zu dieser Erkenntnis kam gestern der Elternbeirat des Scheiner-Gymnasiums mit einem Test unter Realbedingungen. Statt acht Minuten, wie in einem Gutachten behauptet, brauchte die Klasse 16.

11.25 Uhr: Die Doppelstunde Sport beginnt, und es geht gleich gut los: Zwei Schüler haben ihr Schwimmzeug im Klassenzimmer vergessen. Sie müssen schnell zurück. Die Buben kommen aus der 5a und der 5c. Bis alle am Treffpunkt versammelt sind, vergehen sieben Minuten. Der Elternbeirat Thomas Schneider stoppt mit. Marion Schiller, die Vorsitzende des Gremiums, notiert die Zeiten.

11.34 Uhr: Die ersten Schüler erreichen die Jahnstraße. Der Sportlehrer Wolfgang Röll eilt an die Spitze, um darüber zu wachen, dass auch alle brav über die Fußgängerampel gehen. Dazu sind zwei Grünphasen nötig.

11.36 Uhr: Der vom Elternbeirat gemietete Bus setzt sich in Bewegung. Acht Minuten soll die Fahrt zum Wonnemar dauern, das stellt Prof. Thomas Doye in seinem Gutachten für die Stadt fest (siehe Kasten). Aber schon jetzt liegt die Klasse deutlich darüber. „Dabei haben wir nicht mal Extrembedingungen“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende, also weder Berufsverkehr noch Schnee. „Im Winter morgens um acht, wenn einige Fahrschüler schon verspätet in der Schule ankommen, schaut das natürlich noch mal anders aus.“

11.37 Uhr: Röll teilt den noch ahnungslosen Kindern mit, dass sie heute keinen Schwimmunterricht haben werden und dafür im Feldexperiment des Elternbeirats die Hauptrolle spielen. „Ihr habt ja schon gehört, dass am Wonnemar möglicherweise das neue Sportbad gebaut werden soll . . .“ — „Ich will, dass das alte Hallenbad renoviert wird!“, sagt Max, „das wäre viel praktischer.“ Und Simon neben ihm ergänzt: „Dann kann man sich den Bus sparen.“

11.41 Uhr: Ankunft am Wonnemar. 16 Minuten sind seit dem Beginn der Stunde vergangen, doppelt so viele wie im Gutachten vorgesehen. Der Test ist noch nicht zu Ende. Die Fünftklässler gehen mit Röll zum Umziehen, Schneider misst die Zeit, bis alle am Becken stehen. Geschwommen wird aber nicht.

Dafür rechnen die Elternbeiräte in einer Art theoretischen Trockenübung hoch, wie lange der Schwimmunterricht dauern würde, wenn die Kinder wieder pünktlich zum Ende der Stunde um 12.55 Uhr im Scheiner sein sollen. Das Ergebnis ist aus Sicht der Lehrer und Eltern ernüchternd: „Effektive Schwimmzeit 25 Minuten — höchstens!“, berichtet Thomas Schneider mit Blick auf die Stoppuhr.

Sportlehrer Röll schüttelt den Kopf. „Das ergibt einfach keinen Sinn.“ Man müsse bedenken, „dass Buben nachher für Umziehen und Föhnen gut zehn Minuten brauchen — und Mädchen das Doppelte.“ In fünften Klassen ginge es ja noch. „Denn die wollen schwimmen. Im Gegensatz zu den Mädchen in de Neunten. Die wollen nicht mehr deshalb muss man auf sie richtig lange warten.“ Röll weiß das aus Erfahrung. „Ich unterrichte ja auch schon seit 30 Jahren.“

11.58 Uhr: Die Klasse komm zurück und steigt in den Bus Er fährt zwei Minuten später ab „Wir kämpfen für den Standort Jahnstraße“, sagt Marion Schiller. Sie hat mit den anderen Beiräten auch die Unterschriftenaktion initiiert, die an allen betroffenen Altstadtschulen läuft. „Es kann uns später keiner vor werfen, wir hätten es nicht versucht, den Hallenbad-Bau am Wonnemar zu verhindern!“

12.06 Uhr: Der Bus erreicht die Haltestelle an der Jahnstraße. Die Elternbeiräte wiederholen die Erkenntnisse ihres Versuchs: 16 Minuten vom Beginn der Stunde bis zur Ankunft am Wonnemar. Maximal 25 Minuten effektive Unterrichtszeit. „Es ist uns natürlich klar, dass die Hallenbad-Frage viele Facetten hat“, sagt Röll. „Und selbstverständlich akzeptieren wir, dass es für jeden Standort Argumente gibt. Aber das heute ist eben aus der Sicht der Schulen unser Beitrag zur Diskussion.“