Sprungbrett zum Abitur

Ingolstadt (DK) von Michael Brandl

Ein Bündnis für bessere Bildungschancen könnte man es nennen, was die bayerische Staatsregierung, die Stadt Ingolstadt, die Roland-Berger-Stiftung aus München und die Audi AG ab dem kommenden Schuljahr in Ingolstadt auf den Weg bringen: Unter dem Motto „Kein Talent verlieren“ soll maximal 18 begabten und lernwilligen Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Verhältnissen der Weg zum Abitur ermöglicht werden.

An dem bundesweit in dieser Form bislang einmaligen Modellprojekt sind die Grundschule Auf der Schanz und das Christoph-Scheiner-Gymnasium beteiligt. Damit bekommt Ingolstadt die erste öffentliche Profilschule im Deutschen Schülerstipendium, eine Schule also mit einem besonderen Bildungsziel.

„Dies ist aus Sicht des Kultusministeriums eine Sternstunde“, sagte Peter Müller, Amtschef des Staatsministeriums für Unterricht und Kunst, am Montag im Sitzungssaal des Alten Rathauses, in dem die Initiative im Beisein von Oberbürgermeister Alfred Lehmann vorgestellt wurde. Müller dankte den Partnern für ihr Engagement und wies darauf hin, dass es für die betreffenden Kinder bislang keine derartige Lobby in der Gesellschaft gegeben habe.

Stiftungsvorsitzender Roland Berger hob unter anderem hervor, dass Kinder aus Akademikerhaushalten sechsmal so große Bildungschancen hätten wie Kinder von Nichtakademikern. Auch wenn die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft sich gegenüber 2009 abgeschwächt habe. „Es geht darum, kein Talent in diesem Land zu verlieren“, sagte Berger, der anschließend das Konzept erläuterte: Demnach folgt der Unterricht in den beiden geplanten Profilklassen der vierten und fünften Jahrgangsstufe den bayerischen Lehrplänen. Zugleich erhalten die Schüler ein Stipendium im Deutschen Schülerstipendium und werden mit einem individuellen Förderplan und von Mentoren beim Lernen unterstützt. Das Modell sei ein konsequenter Schritt dahin gehend, Grundschule und Gymnasium unter einem Dach zu versammeln, so Berger weiter.

„Das Wichtigste ist, die Chancengleichheit zu fördern“, sagte Peter F. Tropschuh, Leiter der Corporate Responsibility bei Audi, zum Engagement des Automobilunternehmens. „Wir versuchen das im Unternehmen an allen Ecken und Enden und wollen das auch außerhalb unterstützen.“ Audi fördert das Projekt laut Tropschuh mit maximal einer Million Euro.

Anwesend bei der Vorstellung waren auch die beiden Schulleiter, Ilse Miedaner von der Grundschule Auf der Schanz und Gerhard Maier vom Christoph-Scheiner-Gymnasium. „Wir freuen uns riesig auf diese ehrenvolle Aufgabe“, sagte Maier gegenüber dem DK und betonte die enge Zusammenarbeit mit der Grundschule innerhalb des Projekts. Bis Ende April 2014 sollen die 18 Schüler ausgewählt sein. Und wenn es nach den Erfahrungen Bergers geht, bald auch andere Menschen. „Weil sie das Gefühl haben, ernst genommen zu werden“, so Berger.

Die Roland-Berger-Stiftung unterstützt ähnliche Projekte in Nürnberg und Würzburg und hat bundesweit bisher 600 Schülerstipendien vergeben.